Die Temperierung
… macht Wände warm und trocken

Technik

Die Temperierung ist die gezielte Konditionierung des Raumklimas durch Wärmeenergie. Sie erzeugt eine behagliche und gesunde Wohn- und Arbeitsumgebung. Das Besondere an der Temperierung im Vergleich zu anderen Systemen: sie garantiert angenehme, konstante Temperatur- und Luftfeuchtigkeitswerte und trockene Mauern mit geringem technischen Aufwand und sehr gutem Preis-Leistungs-Verhältnis bei Einbau und laufendem Betrieb.

Entwicklung

Das Prinzip der Temperierung beruht auf einer seit der Antike geschätzten Form der Gebäudeheizung (Beispiel: römisches Hypocaustum), bei der gleichmäßige, als sehr angenehm empfundene Wärmestrahlung von den Innenflächen der Außenwände eines Gebäudes bzw. Raumes abgegeben wird.

Die moderne Form der Temperierung wurde 1983 von Henning Großeschmidt (in seiner Funktion als leitender Restaurator am Bayrischen Landesamt für Denkmalpflege / Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen) erstmals angewandt und seither ständig weiterentwickelt. Sie wird auch Hüllflächentemperierung genannt, da die Hüllflächen (die Außenbauteile) des Gebäudes gleichmäßig temperiert werden – und damit das gesamte Gebäude. Konzipiert als effektive Methode zur Lösung thermischer Probleme bei Museums- und Sakralbauten, stellte die Temperierung ihre Stärken bald auch in Räumen mit Wohn- und Arbeitsnutzung unter Beweis. Sie funktioniert in historischen Gebäuden genauso wie im Neubau, bei Massiv- wie bei Leichtbauweise, bei mineralischen Baustoffen ebenso wie bei Holzbauten.

Funktionsweise

Die Technik der Temperierung schematisch dargestellt Schematische Darstellung der Temperierung. (Großansicht als PDF)

Ein System aus blanken Kupferrohren wird in den unteren Bereichen der Außenwand-Innenflächen eines Gebäudes bzw. einer Wohnung verlegt (unter oder auf der Putzoberfläche) und an eine Heizwasserquelle angeschlossen. Dadurch entstehen Zonen mit erhöhter Temperatur (max. 45 °C), die Wärmestrahlung abgeben und zusätzlich einen warmen, an der Wand bis zur Decke empor­steigen­den Luftfilm erzeugen, der seinerseits Wärmestrahlung in den Wohnraum abgibt (siehe Skizze links). Die Wände werden so zur Quelle von Wärmeabstrahlung, vergleichbar der eines Kachelofens.

Die übrigen Wandflächen, Fußböden, Decken, Möbel und andere Objekte in den Räumen reflektieren bzw. absorbieren die Wärmestrahlung. Dadurch stellt sich auf allen (auch nicht direkt beheizten) Flächen eine nahezu identische Oberflächentemperatur ein (z.B. 22 °C). Die sich dadurch ergebende Raumtemperatur kann je nach Wunsch durch Thermostate eingestellt werden. Die Temperatur der Raumluft bleibt um bis zu 4 Grad niedriger – bei gleichem Wärmeempfinden.

Ein Nebeneffekt der Temperierung ist die Verhinderung von Feuchteeintrag in die Wände durch (Kapillar-)Kondensat, da die Wandoberflächen an keiner Stelle kälter als die Raumluft sind. Ebenso unterbindet die Erwärmung der (mineralischen) Bauteile das Vordringen von aufsteigender Feuchte, selbst bei großflächig erdberührtem Mauerwerk und starker Salzbelastung (z.B. in Kellern). Der kontinuierliche Betrieb einer Temperierungsanlage entfeuchet die Bausubstanz von innen nach außen, verbessert ihren (feuchteabhängigen) U-Wert und verhindert weitere feuchtebedingte Putzschäden wie Salzausblühungen.

Temperierungsrohre beim Einbau und unsichtbar in der fertigen WandBeispiel für die Verlegung von Temperierungsrohren.

Das heißt: die oft unterschätzte Dämmwirkung massiver, mineralischer Bauteile (z.B. Ziegelwände) wird durch die Temperierung weiter verbessert. Die Lüftungswärmeverluste verringern sich durch die niedrigeren Raum­luft­temperaturen. Für Altbauten in Massivbauweise gilt daher: der Einbau einer Temperierungsanlage – verbunden mit, je nach Bedarf, Dämmung des Daches und Abdichtung bzw. Reparatur von Türen und Fenstern (vorausgesetzt Kastenfenster oder Doppelverglasung) – erreicht das Ziel der thermischen Sanierung zuverlässig. Die negativen Effekte von Außendämmung und anderen weit verbreiteten, aber ungeeigneten Sanierungsmaßnahmen bleiben den Bewohnern und der historischen Bausubstanz erspart.

Um Räume mit erdberührtem Mauerwerk ganzjährig trocken zu halten, wird die Temperierungs­anlage auch außerhalb der Heizperiode mit stark reduzierten Vorlauftemperaturen betrieben. Das gilt nur für diesen speziellen Fall. Viele weit verbreitete Methoden der Mauer­trockenlegung verfolgen dieses Ziel – parallel zu einem Heizsystem – unter Einsatz großer Mengen an Technik und Energie, erreichen aber bei weitem nicht so gute und zuverlässige Ergebnisse wie die Temperierung.

Ein großer Vorteil der Temperierungstechnik sowie anderer Wandheizungen im Vergleich zu Kon­vektions­heizungen ist die Tatsache, daß die Raum-/Atemluft nicht als Heizmedium genutzt wird. Daher gibt es keine Belastung der Atemluft durch Staubumwälzung und keine Zug­erscheinun­gen. Die kühlere Raumluft bei gleichzeitig warmen Wänden ermöglicht es dem Körper, den Wärmehaushalt auf gesunde Weise zu regulieren, d.h. mehr Stoffwechselwärme über die Lunge und weniger über die Hautoberfläche abzugeben.

Funktionalität und Vorzüge einer richtig geplanten und ausgeführten Temperierungs­anlage zeigen sich in zahlreichen erfolgreichen Umsetzungen (vgl. Beispiele und Referenzen). Der wissenschaftlichen (experimentell gestützten) Erforschung ihrer Funktionsweise haben die zuständigen Institutionen trotzdem lange keine Bedeutung beigemessen (rühmliche Ausnahme war das Forschungsprojekt „EU 1383 Prevent“). Seit einiger Zeit hat hier aber ein Umdenken eingesetzt (vgl. z.B. Forschungsprojekt Temperierung).

Bedingungen

Temperierungs­anlagen zeichnen sich durch hohe Anpassungsfähigkeit aus. Folgendes muss für eine optimale Realisierung jedoch sichergestellt sein:

Hintergrundinformationen

Umfangreiche Hintergrundinformationen und Fachartikel zur Geschichte und Technik der Temperierung finden Sie auf diesen Seiten:

FußbodentemperierungVerlegung einer Fußbodentemperierung